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15.06.2012, 11:23 Uhr | Übersicht | Drucken
Rekommunalisierung von e.on Mitte
Güntzler sieht Chancen und Risiken


Göttingen. Die Ankündigung des Energiekonzerns e.on, sich von ihrem Regionalversorger e.on Mitte trennen zu wollen, hat auf der kommunalen Ebene lebhafte Reaktionen ausgelöst. Die CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt Göttingen mahnt zur Besonnenheit und fordert eine sorgfältige Abwägung der Chancen und Risiken einer Rekommunalisierung des Stromversorgungsunternehmens, der früheren EAM.


„Der Rückkauf von Leitungsnetzen oder gar eines kompletten Versorgungsunternehmens darf nicht reflexartig aus nur rein ideologischen Gründen gefordert werden. Eine solch große Investition muss zunächst vor allem ökonomisch bewertet werden“, fordert MdL Fritz Güntzler,  Wirtschaftsprüfer sowie Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe. „Die Vorteile einer solchen Investition müssen gegenüber den möglichen Nachteilen gut und sorgfältig abgewogen werden."
 
"Wenn die bereits beteiligten Kommunen die angebotenen knapp 75% Anteile an e.on Mitte komplett kaufen würden, wäre dies eine erhebliche Investition auch mit bisher schwer abschätzbaren Risiken im Bereich der Sanierung der Leitungsnetze“, erklärt Fritz Güntzler. "Ob es Chancen für ein dauerhaft rentables Engagement gibt, hängt sowohl von einem realistischen Preis ab wie von den Aussichten von e.on Mitte als kleinem Mitspieler im Konzert der Regionalversorger", gibt Güntzler zu bedenken. "Allein die derzeit niedrigen Kreditzinsen für Kommunen reichen nicht als Argument für ein langfristiges Engagement aus, zumal an einem mit hohen Investitionskosten im Schwachlastnetz versehenen Unternehmen wie e.on Mitte. Schließlich muss die Frage gestellt werden, wieso sich e.on gerade von diesem Unternehmen trennen will."
 
Güntzler weist auf die unabsehbaren Folgen politischer Vorgaben im Energiesektor hin wie stark schwankende Auslastungen durch Ökostrom und Durchleitungsgebühren. "Bereits früher wurde überlegt, ob ein Rückkauf des lokalen Stromnetzes sinnvoll ist. Jetzt geht es vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Stromversorgern um ein viel größeres Vorhaben mit schwer einzuschätzenden Chancen und Risiken. Statt unüberlegt zu handeln gilt hier: Sorgfalt geht vor Eile!", so Güntzler.
 
Für den Ankauf der Anteile an der e.on Mitte sind nach Auffassung Güntzlers verschiedene Modelle denkbar. So könnten die bereits beteiligten Kommunen ihre Beteiligungen aufstocken, aber es könnte auch ein zusätzlicher Partner einbezogen werden. Das müsse nicht einer der großen Konzerne sein, die sich bereits bundesweit bei Ver- und Entsorgung und ÖPNV breit gemacht haben. Dies könne zum Beispiel auch die Thüga-Gruppe sein. Mit rund 100 Unternehmen ist die Thüga-Gruppe der größte Verbund kommunaler Energie- und Wasserversorger in Deutschland. In der Regel halten Städte und Gemeinden die Mehrheit an den Unternehmen – von Freiburg bis Schwerin. Es gäbe sogar die weitere Möglichkeit, dass die Göttinger Stadtwerke AG, an denen e.on Mitte bereits mit 49 Prozent beteiligt ist, im Gegenzug Anteile an e.on Mitte übernehmen – eine so genannte Rückbeteiligung.

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